Basellandschaftliche Zeitung, 15.3.99

Beschwingter musikalischer Auftakt
Premiere der Operetten-Aufführung "Frühlingsluft" in Muttenz


Als Magd Hanni vermochte Maria Laschinger in der Operette "Frühlingsluft" zu begeistern. Foto Briner

Das Operetten-Ensemble "Classico" überraschte sein Publikum an der Premiere vom Freitag abend zur Straussoperette "Frühlingsluft" mit einer witzigen und beschwingten Aufführung.

Muttenz. hpl. Nach 1997 wagte sich das Operettenensemble "Classico" unter der Leitung der Gesangspädagogin Valeria Enz-Dudas am Freitagabend im katholischen Kirchgemeindehaus in Muttenz mit der Operette von Josef Strauss "Frühlingsluft" zum zweiten Mal an die Offentlichkeit. Um es gleich vorweg zu nehmen, die lange, harte Probenarbeit hat sich gelohnt. Das Ensemble zauberte in beschwingter Weise zarte, manchmal leidenschaftliche, mitunter von Eifersucht geplagte Frühlingslüfte auf die Bühne.

Die Pianistin Anna Pilger untermalte das dramatische Geschehen auf der Bühne mit ihrem temperamentvollen und wo erforderlich subtilen Spiel. Für die Regie zeichneten Valeria Enz-Dudas und Giacomo Huber verantwortlich.

Beschwingt und leicht

Valeria Enz-Dudas schreibt im Programmheft, dass sie Wert darauf legt, dass sich ihre Gesangsschülerinnen und -schüler auch schauspielerisch von ihrer besten Seite zu zeigen vermögen. Wie die Aufführung zeigt, ist ihr dies in hohem Masse gelungen. Weil eine Operette der leichten Muse zuzuordnen ist, agieren die Künstlerinnen und Künstler mit einer gewissen Beschwingtheit und Leichtigkeit. Die schauspielerische Seite kommt durchaus zu ihrem Recht.

Obwohl es für die Sopranistin Heidi Langenegger als Appolonia Knickebein der erste Auftritt in einer Operette ist, verfügt die Gesangs-, Jodel- und Flötenlehrerin bereits über reiche Bühnenerfahrung, was ihr Sicherheit gibt. Mit ihrer wohlklingenden, gut ausgebildeten Stimme, gepaart mit ihrem schauspielerischen Talent gelingt es ihr vorzüglich, die Leidenschaft und Eifersucht glaubhaft darzustellen. Reizvoll gibt sich die Sopranistin Christine Horányi als liebenswürdige Frau Landtmann. Dominant wirkt, wie es seine Rolle als ihr Gatte und Scheidungsanwalt verlangt, der Tenor Stefan Meier.

Mit voller Stimme singt Rolf Keiser den Baron von Pavasotti. Ein Pavarotti, als welchen ihn seine Gattin gerne sähe, ist er zwar nicht, aber seine Leistung überzeugt. Sehr verführerisch gibt sich Beatrice Beerli als Baronin Pavasotti, die auch gerne mit andern Männern flirtet. Singen und Spielen

Leider war Barbara Merz als Folge einer Erkältung nicht in der Lage zu singen. Dafür überzeugte ihr schauspielerisches Talent. Die Stimme lieh ihr Valeria Enz.

Mit viel Charme agierte Maria Laschinger als schlaue Dienstmagd Hanni, die zielstrebig Andreas Ramseyer als Hildebrand angelt. Der Bass Franz Wagner als Max liess das Publikum seinen Spass am Singen und Spielen spüren. Nicht nur als Co-Regisseur, auch als Herr Knickebein überzeugte Giacomo Huber als alternder Schürzenjäger durch seine gesanglichen und schauspielerischen Qualitäten. Es war ein vergnüglicher Operettenabend.

top

Muttenzer Anzeiger, April 99


Die Solistinnen und Solisten haben Grund zur Freude Fotos: Regina Erb

Operetten-Ensemble Classico mit "Frühlingsluft"
"Che bella cosa" schmettert Pseudo-Pavarotti vom Stuhl herunter

Das Operetten-Ensemble Classico startete die Serie ihrer Aufführungen von "Frühlingsluft" (Musik von Josef Strauss) im katholischen Pfarreiheim in Muttenz.

Neben Johann Strauss Vater und Sohn ist der "Beppi", Josef Strauss, aus der berühmten Musikerdynastie zwar mit Walzern und Liedern ebenfalls in die Geschichte eingegangen. Aber denselben Ruhm wie Papa und Bruder konnte er nie erlangen. "Frühlingsluft", ein Singspiel in drei Akten, hat in der Regie von Valeria Enz-Dudas und Ciacorno Huber das Publikum in die angeblich gute, alte Zeit versetzt und trotz Klamotte dieses Kunstgenres in Erinnerungen schwelgen lassen.

Sorgfältige Auswahl
Die Gesangspädagogin Valeria Enz-Dudas, welche noch regelmässig als Solistin in Konzerten auftritt, ging bei der Rollenbesetzung der turbulenten "Frühlingsluft" sorgfältig vor. Sie konnte auf bewährte Stützen des Ensembles Classico zählen, aber sie wagte auch den Einsatz von Debütanten. Und das honorierten die Zuhörenden und Zuschauenden mit entsprechendem Applaus.

Dem Tenor Stefan Meier (der Charmeur Dr. Landtmann) stand Christine Horány (Ehefrau des betörenden Anwalts) mit einer etwas zu hoch angesetzten Stimme darstellerisch zur Seite. Heidi Langenegger mimte die resolute Frau Knickebein hervorragend, der angeblich vertrottelte Ehemann (Giacomo Huber wie vokal sowie spielerisch im Element) entpuppte sich als Mann von Welt, der die Frauen kaum verschmäht - im Gegenteil: Bei einer gewissen Manuela (Barbara Merz blieb der Grippe und nicht des ungehorsamen Ehegatten wegen jeder Ton versagt) lief er zur Höchstform auf. Rolf Keiser, (Baron von Pavasotti) liess der verwirrten Angetrauten (Beatrice Berli) keine ruhige Minute. Andreas Ramseyer (Hildebrand, Kanzleigehilfe und auch sonst recht vielseitig) sowie Franz Wagner (Mitarbeiter in Doktor Landtmanns Scheidungskanzlei und in eine schöne Maid verliebt) sind Stützen des Männerchors Muttenz. In dieser Operette bewiesen sie auch schauspielerisches und Improvisationstalent. Schliesslich rundete Maria Laschinger, Soubrette, als schlitzohrige Dienstmagd die kleine, aber feine Truppe ab und stellte unter Beweis, dass sie zurecht an der Basler Musikhochschule das Gesangsstudium aufgenommen hat. Anna Pig1er begleitete subtil am Keyboard, während Valeria Enz-Dudas der vergrippten Manuela hinter den geschmackvollen Kulissen dennoch zur Stimme verhalf. Falls Giacomo Huber in der Pause nicht auf diesen Umstand aufmerksam gemacht hätte, wäre das Publikum bis zum letzten Ton im Glauben geblieben, die junge Sängerin und Tänzerin habe ihren Part ganz allein gemeistert.

Turbulente Komödie
Wie im normalen Leben begeben sich in der Operette die Akteure beiderlei Geschlechts bevorzugt in fremde Territorien. Der fesche Anwalt besingt die Göttin Sonne, ein Pavarotti-Anhänger hat zum zweiten Mal geheiratet und will sich erneut scheiden lassen. Seine Frau hat ihr Herz symbolisch an den dicken Startenor verloren und kümmert sich wenig bis gar nichts um ihren ebenfalls begabten Arien singenden Noch-Angetrauten. Während dieser "Che bella cosa" und später einen anderen Opemgassenhauer vom wackligen Stuhl herunter schmettert, treiben's die anderen Frauen und Männer ebenso schillernd, aber nicht mit den rechtmässigen Partnern.

Der berühmte Tee
Um ihre ungetreuen Ehemänner von der Lust abzuhalten, werden Mai-Getränke gemixt. Vergissmeinnicht und tierische Essenzen sollen gewisse Regungen unterdrücken. Das tun sie jedoch nicht. Und das wiederum gibt der belanglosen und doch so komischen Geschichte einigen Reiz, während sich die Handlung darauf beschränkt, die Triebe im entsprechenden Treiben dennoch spriessen zu lassen.

Da summen alle mit
"Das muss ein Stück vom Himmel sein": Bei diesem Lied summt das Publikum weltentrückt mit, lehnt sich im Stuhl zurück und denkt an die längst vergangenen Zeiten zurück, als zum Beispiel im Basler Stadttheater inmitten von Plüsch und Stukkatur den Emotionen auf den Brettern und im Zuschauerraum freier Lauf gelassen werden konnte. Tempi passati. Nunmehr sind realistische Stücke mit verfremdeten und pseudo-intelligenten Adapationen gefragt. Allerdings kümmert sich das Ensemble Classico keinen Deut um eine Veballhornung der ewig jungen Operette. "Meine Lippen, die küssen so heiss" wird innig gesungen und ebenso herzhaft klatscht sich das Publikum die Hände nach zweistündigem Genuss und Spektakel wund.

Regina Erb

top

Fricktaler Bote, 13.4.99

Grosse Bühne im reformierten Kirchgemeindehaus Frick
Frühlingsluft - Operette in 3 Akten


Auf Tournee: Das Operetten-Ensemble Classico geht mit ihrer Operette "Frühlingsluft" auf Tournee Im reformierten Kirchgemeindehaus in Frick war ihnen der Applaus vor ausverkaufter Aufführung nicht zu nehmen. (Foto: Susanne Hörth)

(hsr) Am Sonntag führte das Operetten-Ensemble Classico im reformierten Kirchgemeindehaus in Frick die Operette Frühlingsluft aus dem Französischen von C. Lindau und J. Wilhelm mit Musik von Ernst Reiterer nach Motiven von Josef Strauss auf.

"Die Operette ist tot - es lebe die Operette", nach diesem Motto geht Valeria Enz-Dudas mit dem Operetten-Ensemble Classico auf Tournee. Sie zeichnet für Leitung und Regie und sang als Kind schon im Kinderchor der Budapester Oper. Später folgten Auftritte in Japan, USA, Russland und Italien. Wer von der Grossbühne auf die Kleinbühne wechselt, muss schon Leidenschaft für die Operette empfinden. Dass diese beim gesamten Ensemble vorhanden ist war auch im ref. Kirchgemeindehaus in Frick schon vor dem ersten Akt zu spüren. Ein volles Haus, stellten die Mitwirkenden mit Begeistertung fest. Rolf Keiser (Tenor), stand dem "Fricktaler Bote" in der Pause für ein kurzes Gespräch zur Verfügung. "Leider ist es in den letzten neun Aufführungen nicht immer so gewesen, dass wir ein volles Haus hatten. Bei einer Aufführung konnten wir gerade zwölf Gäste begrüssen. Unser neues Stück "Frühlingsluft" führen wir seit dem 2. März auf. Die Proben haben im Oktober l998 begonnen, anfänglich einmal und auf die Premiere hin dann mehrmals die Woche. Für mich ist die Operette "Frühlingsluft" und die Rolle als Baron von Pavasotti zugleich auch eine persönliche Premiere".

Operette "Frühlingsluft" von Josef Strauss in drei Akten
Der erste Akt beginnt in der Kanzlei von Dr. Landtmann (Stefan Meier, Tenor), einem Spezialisten für Scheidungsfälle. Mit allen möglichen Tricks versucht er immer wieder, zerbrechende Ehen zu kitten. Heute muss er sich mit dem Fall des berühmten Opernsängers Baron von Pavasotti und dessen blutjunger Gattin Ida (Beatrice Beerli, Sopran) befassen. Landtmanns Frau Emihe (Christine Horanyi, Sopran) ist beunruhigt, und mit Hilfe ihrer Mutter will sie die Situation wieder in den Griff bekommen. Das neue Dienstmädchen Hanni (Maria Laschinger, Soubrette) wird gleich in eine Verwechslung verstrickt, doch der Kanzleischreiber Hildebrand (Andreas Ramseyer, Tenor) verliebt sich in Hanni, auch nachdem die Verwechslung aufgeklärt wurde.

Zweiter und dritter Akt
Der zweite Akt spielt im salonartigen Gartenpavillion bei Landtmanns. Hildebrand möchte gerne seine Beziehung zu der vermeintlichen Gräfin Harbach (Dienstmagd Hanni) weiterspinnen. Diese gibt ihm als Gräfin auch eine Einladung in den Prater, um ihm einen Denkzettel zu verpassen. An allen Ecken und Enden werden Verdachtsmomente gegen die Herren gesammelt. Mit der Tänzerin Manuela (Barbera Merz, Sopran) stiftet eine weitere Dame Unruhe. Frau Landtmann und ihre Mutter sollen dann auch gleich zur Erholung aufs Land. Die umschwärmte Hanni lernt den alten. duckmäuserischen Knickebein (Giacomo Huber, Tenor) kennen. Hildebrand kommt plötzlich in grosse Nöte. Das Schlussbild (dritter Akt) wechselt in einen Salon im Prater. Dort kommt es dann zu turbulenten Szenen. als alle Beteiligten zusammentreffen. Eifersucht, Standpauken und Ohnmachtsanfälle, die Situatitonen spitzen sich zu. Schlussendlich versöhnen sich alle wieder und Landtmann hat sein berufliches Ziel, die Versöhnung des Barons mit seiner Frau ebenfalls erreicht.

Mehrere Vorhänge für das Ensemble Classico
"Ja - die Operette lebt", dies wollten die Besucher mit ihrem lange anhaltenden Applaus sicherlich der Leiterin des Ensemble Classico mit auf den Weg geben. Immer wieder wurden die Darsteller auf die Bühne gerufen, und jeder Vorhane war ihr persönlicher Erfolg. Zu erwähnen noch die Rollen Franz Wagner, Bass, als Max Volonter. Heidi Langenegger, Sopran, als Frau Knickebein und Anna Pigler (Pianistin).